Datenbank Kinderbetreuung

Betreuungsformen

"Das, was ein Kind in den ersten Jahren seines Lebens lernt, prägt entscheidend seine Persönlichkeit, prägt seine gesamte Einstellung zum Leben, sein Verhalten den Mitmenschen gegenüber. In der frühen Kindheit werden Grundlagen für das Leben gelegt."

Welche Betreuungsform ist die richtige für mein Kind?

Für die Wahl der Betreuungsform sind das Alter Ihres Kindes und Ihre individuellen Bedürfnisse nach Betreuungszeiten entscheidend. Sie können Ihr Kind nur vormittags, über Mittag, nur nachmittags oder den ganzen Tag betreuen lassen, je nach persönlichem Wunsch und Angebot der Kindertageseinrichtungen.
  • In altersgemischten Gruppen werden Kinder von 4 Monaten bis 6 Jahren zusammen betreut (kleine Altersmischung) bzw. Kinder von 3 bis 14 Jahren (große Altersmischung). Die Betreuungszeit umfasst insgesamt mindestens 8,5 Stunden ohne Unterbrechung. Das Land NRW verfolgt besonders den Aufbau solcher altersgemischter Gruppen.
  • Kinder von 4 Monaten bis 3 Jahren werden in Kinderkrippen bzw. Krabbelstuben betreut, die meist in altersgemischte Gruppen integriert sind.
  • Der Regelkindergarten ist eine Betreuungsform für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Die Kinder werden hier am Vormittag und auf Wunsch auch für zwei Stunden am Nachmittag betreut. In einigen Einrichtungen ist auch eine Übermittagbetreuung möglich. In einer Kindertagesstätte können Kinder diesen Alters den ganzen Tag mit anderen Kindern in der Einrichtung verbringen.
  • Im Kinderhort und Schulkinderhäusern werden schulpflichtige Kinder von 6 bis 12 Jahren vor und nach dem Unterricht bis in den Nachmittag hinein betreut.

Neben unterschiedlichen Öffnungszeiten der einzelnen Einrichtungen und in Abhängigkeit vom Alter Ihres Kindes sollten Sie auf über die eigentliche Betreuung hinausgehende Zusatzangebote wie Turngruppen, Englisch für Kinder oder Wochenendangebote achten.

Ausführliche Information zu den verschiedenen Möglichkeiten der Kinderbetreuung finden Sie in einer Broschüre des "Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend": http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=4236.html

 

Eltern und die Kindertageseinrichtung

Die Erziehung Ihres Kindes bleibt in Ihren Händen. Die Erzieherinnen der Kindertageseinrichtung unterstützen Sie lediglich in dieser Aufgabe. Möglichkeiten zur Mitwirkung der Eltern in der Tageseinrichtung bestehen in der Elternversammlung, dem Elternrat und dem Rat der Einrichtung. Sie werden beteiligt, wenn es zum Beispiel um die Ausstattung, das pädagogische Personal oder dessen erzieherische Arbeit in der Einrichtung geht.

Tagespflege

Die Stärke und Attraktivität der Tagespflege liegt in ihrer Familiennähe, wobei ein oder mehrere Kinder von einer Tagesmutter, oft gemeinsam mit anderen Kindern, regelmäßig betreut werden. Diese Betreuung findet entweder im Privathaushalt der betreuenden Tagesmutter oder im Familienhaushalt des Kindes statt. Die begrenzte Gruppengröße sowie die familiäre Umgebung können als positive Faktoren für Entwicklung und Lernen der Kinder wirken. Für die Eltern bietet die Tagespflege die Chance, dass sie ihren Betreuungsbedarf in Abstimmung mit den Tagesmüttern individuell und relativ flexibel aushandeln können. Festgelegte Qualifikationsmerkmale für Tagesmütter gibt es nicht. In vielen Städten werden jedoch Qualifizierungskurse und Fortbildungen für Tageseltern angeboten.

Wichtig ist vor allem, dass Ihr Kind, die Tagesmutter und deren Kinder zusammenpassen.

Tagesmütter 

Die Tagespflege steht in Deutschland an einem Wendepunkt. Am 01.01.2005 trat das TAG (Tagesbetreuungsausbaugesetz: Gesetz zum qualitätsorientierten und bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbetreuung und zur Weiterentwicklung der Kinder- Jugendhilfe) in Kraft.

Wesentliches Ziel dieses Gesetzes ist der bedarfsgerechte Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren mit berufstätigen Eltern. Weiterhin soll die Kindertagespflege zu einer qualitativ gleichwertigen Alternative aufgewertet werden. Damit möchte die Bundesregierung das Angebot an Kinderbetreuung sowohl quantitativ als auch qualitativ an den westeuropäischen Standard heranführen.

Den kompletten Gesetzestext des TAG finden Sie unter http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Pressestelle/Pdf-Anlagen/ tagesbetreuungsausbaugesetz,property=pdf.pdf


Wer bietet außerhäusige Kinderbetreuung an?

Träger von Tageseinrichtungen sind in der Regel entweder die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfen, die kreisangehörigen Gemeinden und Gemeindeverbände oder die freie Jugendhilfe. Zur letzteren gehören Kirchen und Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts und freie Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonisches Werk, AWO, DRK oder der Paritätische.

In Nordrhein-Westfalen sind die Tageseinrichtungen für Kinder nach Trägerschaft wie folgt verteilt:


In vielen Städten existieren auch Elterninitiativen, in denen Eltern selbst zu Trägern einer Kindertagesstätte werden, wenn beispielsweise die Öffnungszeiten der örtlichen Betreuungseinrichtungen und die Arbeitszeiten der Eltern nicht zusammenpassen. Elterninitiativen

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen wollen, können u.a. auch selbst Träger einer Kindertageseinrichtung werden. Dies ist natürlich nur für Großunternehmen sinnvoll. http://www.mgsff.nrw.de/aktuelles/presse/pm_2003/030425a.htm

Aller Anfang ist (nicht) schwer - Der Übergang in die Betreuung durch Dritte

 

Der erste Besuch in der Kinderkrippe

In den ersten Monaten und Jahren ist die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind besonders eng. An "Trennung" wird hier nur ungern gedacht. Damit Sie und Ihr Kind sich in der neuen Situation wohlfühlen, muss der Besuch einer Kinderkrippe gut vorbereitet werden.

In einem ersten Aufnahmegespräch können Sie die Tageseinrichtung kennen lernen und organisatorische Fragen klären - beispielsweise zu Öffnungszeiten und Elternbeiträgen. Auch auf die Aufnahmebedingungen werden Sie in diesem ersten Gespräch hingewiesen: eine kinderärztliche Untersuchung und ein ausreichender Impfschutz sind Voraussetzung für eine Aufnahme in die Tageseinrichtung.

Planen Sie sich Zeit für eine gemeinsame Eingewöhnungsphase ein, die bei Kindern unter drei Jahren etwa zwei bis drei Wochen dauert. Es ist ratsam, auch über diese Zeit hinaus noch mit einigen Tagen Begleitung zu rechnen.

So können Sie Ihrem Kind die Eingewöhnung erleichtern:

  • Ihr Kind sollte gesund sein.
  • Andere Belastungen für das Kind - wie z.B. ein neues Wohnumfeld oder die Trennung der Eltern - sollten wenn möglich in dieser Zeit vermieden werden.
  • Ihre ersten Besuche in der Tageseinrichtung sollten so abgestimmt werden, dass die Erzieherin Zeit für Sie und Ihr Kind hat.
  • Besuchen Sie die Tageseinrichtung zunächst immer in der gleichen Tagesphase, damit diese dem Kind vertraut wird.
  • Häufigkeit und Dauer der Besuche sollten allmählich gesteigert werden.
  • Die Betreuung Ihres Kindes wird Schritt für Schritt von der Erzieherin übernommen. Sie sollten Ihre Anwesenheit in der Tageseinrichtung langsam verkürzen.
  • Geben Sie Ihrem Kind ein Schmusetier oder sein Lieblingsspielzeug von zu Hause mit in Tageseinrichtung. Dies erleichtert die Eingewöhnung.
  • Verabschieden Sie sich von Ihrem Kind, bevor Sie die Einrichtung verlassen. Wenn Ihr Kind dann weint, ist dies eine ganz normale Reaktion. Auch wenn es schwerfällt: gehen Sie, wenn Sie sich verabschiedet haben. Nur so gewöhnt sich Ihr Kind an die Trennung für einige Stunden. Die Erzieherin wird sich gut um Ihr Kind kümmern.

Während der Eingewöhnungsphase werden Sie viele Gespräche mit der Erzieherin führen. Dies ist nötig, damit Sie Vertrauen aufbauen und das Betreuungspersonal Sie und Ihr Kind kennen lernt. Hier können Sie auch Ihre Bedenken oder Beobachtungen thematisieren. Auch Sie müssen sich mit der Betreuungslösung wohl fühlen. Unsicherheiten übertragen sich auf Ihr Kind und erschweren die Eingewöhnung.

In regelmäßigen Gesprächen sollte über die Gewohnheiten Ihres Kindes, seine Entwicklung und Krankheiten sowie über Ernährung und Pflege gesprochen werden. Auch Informationen über die Familiensituation und die vorherige Betreuungsform sind für die Erzieherin von Interesse.

Eine erfolgreiche Eingewöhnung ist nur möglich, wenn Sie und das Betreuungspersonal sich Zeit für das Kind nehmen und genau beobachten, wie es sich verhält und mit der neuen Situation zurechtkommt. Ist die Eingewöhnung geglückt, profitieren alle davon: Sie können beruhigt zurück in den Beruf und Ihr Kind lernt, mit anderen Kinder zu spielen und sich stundenweise von Ihnen zu trennen. Vor und nach der Arbeit haben Sie dann Zeit füreinander.

 

Der erste Besuch im Kindergarten

Wenn der Tag des ersten Besuchs im Kindergarten näher rückt und das Kind bisher zu Hause in der Familie betreut wurde, drängen sich viele Fragen auf.

Ob sich Ihr Kind im Kindergarten oder der Kindertagesstätte gut einlebt und wohlfühlt, kann von der Gestaltung der Eingewöhnungsphase abhängen. Am besten ist es, wenn Sie in der ersten Woche zunächst ganz und anschließend nur in den ersten Stunden bei ihrem Kind in der Betreuungseinrichtung bleiben. Damit geben Sie Ihrem Kind Sicherheit und es kann seine neue Umgebung erkunden und sich eingewöhnen. Außerdem steht den Kinder zu Anfang immer eine bestimmte Erzieherin zur Seite, die seine Ansprechpartnerin ist.

Bevor Sie die Betreuungseinrichtung verlassen und Ihr Kind in der Gruppe weiterspielen lassen, ist es wichtig, dass Sie sich bei Ihrem Kind verabschieden und sich nicht heimlich davonstehlen. Ansonsten könnte Ihr Kind dies sehr wohl als einen Vertrauensbruch empfinden. Wenn Sie sich verabschiedet haben, sollten Sie nicht in der Tür stehen bleiben und zögern: Ihre Unsicherheit überträgt sich sonst auch auf Ihr Kind und die Trennung gestaltet sich noch schwieriger.

Kinder stellen sich in der Regel schnell auf die neue Betreuungssituation ein und schließen schnell Freundschaften. Die Vorfreude auf die neuen Spielkameraden und die Gruppenaktivitäten wird die anfängliche Unsicherheit schnell ersetzen.

Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz)

Am 25. Oktober 2007 verabschiedete der Landtag Nordrhein-Westfalen das neue Kinderbildungsgesetz - KiBiz -. Dieses wird ab dem 1. August 2008, dem Beginn des Kindergartenjahres, für sämtliche Kindertageseinrichtungen in NRW wirken und löst damit das alte Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder - GtK - ab. Durch das KiBiz soll die Struktur und die Finanzierung der Betreuung neu gestaltet werden. Inhaltlich wird der Schwerpunkt auf die möglichst frühe Bildung, Sprachentwicklung und Förderung von Kindern gelegt.

Die Eltern müssen nun wählen, ob ihr Kind während des folgenden Kindergartenjahres 25, 35 oder 45 Stunden in einer Kindertageseinrichtung betreut werden soll. Hierzu wird im Januar oder Februar des jeweiligen Jahres ein Vertrag mit der Einrichtung abgeschlossen, der ab August gültig ist. Soll die gebuchte Stundenzahl Ende des Jahres nicht geändert werden, verlängert der Vertag sich automatisch um weitere 12 Monate.

Der Elternanteil richtet sich nach dem gebuchten Stundenumfang der Betreuung, sowie dem Verdienst der Eltern. Liegt das Jahreseinkommen unter 17.500 Euro, muss kein Anteil geleistet werden. Davon abgesehen hat jede Stadt individuelle Regelsätze für die Errechnung des Elternanteils in Bezug auf die verschiedenen Einkommensstufen. Die Regelsätze können beim jeweils zuständigen Jugendamt erfragt werden. Für ein zweites Kind in der selben Einrichtung müssen die Eltern keinen weiteren Beitrag zahlen.

Den kompletten Gesetzestext des KiBiz finden Sie unter:
http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD14-4410.pdf